John Cusack bei SPON:
Warum «Seeding» nicht hilft, wenn der Film nichts taugt

Peter Hogenkamp, 16. November 2009 07:55 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

So formuliert, und dann noch von einem «Prominenten», müsste es eigentlich jeder verstehen. Wieso man nämlich nicht denken kann, Social Media Marketing heisse, dass man ein paar Jubeltwitterer positive Statements schreiben lässt (auch bezeichnet als «Seeding», also das Aussähen von Informationen in Medien wie Twitter, die sich dann idealerweise «viral» verbreiten sollen). Twitter ist zu verteilt, zu «netzwerkartig», als dass man eine Botschaft so pushen könnte, wie man sie in den alten Medien oder mit «normaler» Werbung pushen konnte. «Gerüchte im Netz lancieren» sei okay, sagt Cusack, aber danach können die Hollywood-Studios nicht mehr steuern, was über ihr Produkt kommuniziert wird.

Unten der Auszug aus dem Interview «Hollywood hat keine Ahnung» von Thorsten Dörting mit John Cusack. Dörting erliegt zu Beginn etwas zu sehr dem Wunsch, sich von den «Tausenden» von anderen Interviewern abzuheben, aber der Text ist trotzdem lesenswert, insbesondere für «uns» diese Passage:

Cusack: (…) Ach, und noch ein Gedanke: Twitter hat natürlich das Geschäft stark verändert.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Cusack: Ich weiß nicht, wie die Zuschauertests für “2012″ ausgefallen sind. Aber wenn die Leute die Charaktere nicht gemocht hätten, oder sie ins Gähnen gekommen wären, liefen die Sony-Menschen nicht so entspannt hier herum. Denn am Freitagabend, nachdem der Film in den USA angelaufen ist, würden die ersten Leute twittern: “’2012′ ist scheiße!”

SPIEGEL ONLINE: Am nächsten Tag blieben dann die Kinosäle leer.

Cusack: Eben. Früher haben sich die großen Studios das Startwochenende einfach komplett gekauft, indem sie vorher ordentlich Geld in die Werbung gepumpt haben. (Hier in der Schweiz gerade gut zu sehen, wo an jeder Bushaltestelle ein grosses «2012»-Plakat hängt, pho.) Wenn die Besucherzahlen am Freitagabend stimmten, war klar, dass sie am Samstag noch mal um 25 oder 30 Prozent hochgehen würden – und erst dann absacken. Eine sehr vorhersagbare Basis für Kalkulationen. Jetzt ist es so: Am Freitag kommen vielleicht großartige Zahlen – und am Samstag brechen sie plötzlich um 50 Prozent ein. Alles verpufft, das Marketing, die Strategien. Es sei denn, die Leute mögen den Film, dann ist die gute Presse sogar umsonst. Ich garantiere Ihnen: Große Hollywood-Studios haben derzeit keine Ahnung, was sie dagegen tun sollen.

SPIEGEL ONLINE: Sie könnten Leute zum Twittern einstellen.

Cusack: Macht keinen Unterschied. So etwas wie Twitter ist zu unmittelbar und groß, das können sie nicht kontrollieren. Gerüchte im Netz lancieren, okay, etwas Marketing betreiben, klappt auch – aber das war’s. Eine gute Entwicklung für Filmemacher und für Filme.

So weit sind wir in der Schweiz und in Deutschland noch nicht, aber ich zumindest mache meine Meinung (zumindest über vergleichbar unwichtige Dinge wie Filme) inzwischen stark von dem abhängig, was ich bei Twitter lese. Ich gehe – leider – derzeit nur selten ins Kino, aber was das «Pflichtprogramm» ist, erfahre ich via Twitter, und das gehe ich dann auch anchauen.

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2 Kommentare

  1. bö
    schrieb am 16. November 2009 um 17:42 Uhr (#)

    also ich fand den film ganz ok – mit oder ohne twitter.

  2. Schtonk!
    schrieb am 19. November 2009 um 13:56 Uhr (#)

    Also ich frag mich, wie oft Emmerich noch die Freiheitsstatue vernichtet/untergehen lässt. Und ob das nächste gekaperte Flugzeug dann da rein gelenkt wird.

    Bei den mich bewegenden Fragen (wird jetzt die oder doch eher die meine Frau?) hilft mir Twitter jedenfalls nicht weiter. (Will ich doch zumindest hoffen!!) #lovefail

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