NZZ-Kommentardiktaturkultur Wieso darf Lucky Luke jetzt doch?

Peter Hogenkamp, 7. März 2008 07:43 Uhr, 7 Kommentare Kommentare

Im November schrieb ich nach einer Veranstaltung über den «Kommentar-Elitarismus bei NZZ Online». Urs Holderegger erzählte damals von ihren strengen Regeln: Wer nichts Gescheites zu sagen hat oder seinen richtigen Namen nicht angibt, dessen Kommentar wird mitleidslos gelöscht. Seitdem wundere ich mich nicht weiter, wenn ich bei NZZ Online kaum Artikel mit Kommentaren sehe (natürlich, Ausnahmen bestätigen die Regel, aber wir reden hier von einer Site mit 7 Millionen Visits im Monat).

Umso mehr wunderte ich mich eben, als ich unter dem Artikel zum Rücktritt des Kommandanten der Schweizergarde die folgenden drei Kommentare fand (immer von unten nach oben, was nervig ist, denn wenn sich Diskussionen entwickeln, muss man erst ganz runterscrollen):

NZZ Kommentare

Hallo? Qualität? Real-name-Pflicht?

Peter Schmids Mundart-Kommentar hätte wohl eher an der Fasnacht Platz (originell wäre er allerdings auch dort nicht), und «Lucky Luke» heisst eventuell in Wirklichkeit anders und schreibt auch nichts Gescheites.

Bleibt die Frage: Hat hier jemand geschlafen, oder wurden die Regeln geändert?

Was von der NZZ-Kommentardiktaturkultur zu halten ist, durfte am letzten Dienstag auch Blogwerk-Mitarbeiter Ronnie-Grob erfahren: Sein Kommentar unter einem Artikel, dass eine falsche Zahl publiziert wurde (komisch, die «etablierten» Medien vertun sich bei den Blog-Statistiken immer nur in eine Richtung), wurde nach Korrektur der Zahl gelöscht. Siehe hier, Teil «Update am 04.03.2008, 19:50 Uhr». Ich glaub, ich schreibe mal einen How-to-Post über Online-Korrekturen.

» Mehr lesen: Kommentarkultur (2)

» Weitere

» Nächster Artikel: Best of Swiss Web:
Liveblogging Awardnight

» Älterer Artikel: Google Zurich Office Opening
Zurich - a very attractive location

» Drucken
» Merken/E-Mail

7 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Martin

    schrieb am 7. März 2008 um 08:00 Uhr (#)

    Darf ich mal auf schlafen tippen? Und: Interessierst Du Dich für den Job in Rom, lieber Peter?

  2. Ugugu

    schrieb am 7. März 2008 um 09:28 Uhr (#)

    Moment, also in meinem Blog herrscht auch schärfste Kommentardiktatur, da halte ich es wie die NZZ ;-)

    Dieses merkwürdige “letzter Kommentar erscheint zuoberst”, hat vor einiger Zeit übrigens auch Verkehrsminister Leuenberger in seinem Blog eingeführt, ob er es wohl bei der NZZ abgeschaut hat?

    Auf mich wirkt das wie: Ich les eure Feedbacks zwar, aber erwartet ja nicht, dass ich auch noch darauf eingehe. Bei einem Verkehrsminister kann ich das ja noch nachvollziehen, weniger bei einer NZZ.

  3. Peter Hogenkamp

    schrieb am 7. März 2008 um 10:01 Uhr (#)

    Martin: Ich bin ja kein Schweizer, sonst hätte ich mich schon lange beworben. Diese Uniformen sind doch einfach nur schön.

    Ugugu: Journalisten antworten prinzipiell nicht auf Kommentare unter ihren Artikeln, habe ich den Eindruck. Ich glaube, sie denken: Ich habe mein Statement abgegeben, und damit basta.
    Wenn sie mal eine Ausnahme machen, wie neulich ras beim o.g. Martin, dann eher genervt.

  4. Jan

    schrieb am 8. März 2008 um 15:17 Uhr (#)

    In foren und blogs existiert sowas wie meinungsfreiheit eh nicht mehr.

    Wenn ich mir angucke das die Telekom aus ihrem forum kritische beiträge wegen angeblichen off toüpic löscht,gleichzeitig aber selbst nen dicken off topic eintrag verfasst.

    Vielen Dank für die Blumen. :-)

    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr T-Online-Team

    Nicht off topic.

    Die Telekom macht nur das was die Anderen unternehmen auch
    machen,billig billig billig.
    Lustig(oder eher kurios) finde ich das man mich an der Hotline immer zu
    Verträgen von 30? überreden(besser gesagt mir solche tarife vorschlägt)
    will,obwohl ich aktuell einen vertrag mit 50? habe.

    Angeblich off topic.

    http://foren.t-online.de/foren/read.php?709,3011764,3021894,page=5,fid=1c84b4f#msg-3021894

  5. Wolf-Dieter Roth

    schrieb am 9. März 2008 um 09:13 Uhr (#)

    Peter, auf Kommentare zu antworten gewöhnt man sich bei bestimmten Lesern ab, die nicht am Dialog, sondern nur am Bashen interessiert sind.

    Derartige Kommentare würden hier nicht stehen bleiben. Anderswo wird nur auf gerichtliche Anordnung gelöscht, gelten Flamewars als Trafficbringer, selbst wennd as auf Kosten von Mitarbeitern und Autoren geht. Da hört man irgendwann im Interesse der geistigen Gesundheit und der Arbeitszeit auf, mit Lesern zu diskutieren.

    Das Problem ist auch die Masse: Bei bis zu 500 Kommentaren pro Arikel und täglich 1-2 Artikeln kann man einfach nicht mehr mit den Lesern diskutieren. Auch wenn es die meisten zunächst erstmal wollen.

  6. Lucky Luke

    schrieb am 19. März 2008 um 18:11 Uhr (#)

    Hallo Peter,

    Ich bin der unerwünschte Lucky Luke. Ich bin Chemiker und arbeite zur Zeit am Massachusetts Institute of Technology in Boston (hier wird geforscht, nicht geschwafelt). Du hast den Sinn meines Kommentares zur Schweizergarde hinterfragt. Ich habe generell Mühe mit allem was vom unfehlbaren Vatikan kommt. Habe mir deshalb einen Kommentar erlaubt, der zeigt, dass nicht mehr jeder im Mittelalter lebt. Heute kann man seine Meinung sagen. Das ist gut so. Und offenbar hat die NZZ ein bisschen Sinn für Humor und kritisches Denken. Der scheint gewissen allwissenden Teflon-Journalisten abhanden gekommen zu sein. Du kasnnst dich auf weitere Lucky-Luke Beiträge zu NZZ Artikeln gefasst machen, hoffentlich zu sinnvolleren Themen als dem Vatikan. Ich versuche so weit wie möglich anständig und sachlich zu bleiben. Das Thema Religion nervt mich allerdings so sehr, dass es halt ab und zu mal etwas deutlicher wird, genauso wie bei arrogant-provokativen politischen Themen.

  7. Peter Hogenkamp

    schrieb am 24. März 2008 um 02:26 Uhr (#)

    “Lucky Luke”: Falls Du das so verstanden hast: Ich habe keinesfalls Dich kritisiert.


Einen Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

  • Neueste Artikel

    • 6. Januar 2009, 0 Kommentare

      StartupCamp 2009:
      I am attending.

      Am 31. Januar findet das StartupCamp 2009 in Basel statt. Ich gehe hin, und wenn ich schon hingehe, kann ich auch gleich ein bisschen mithelfen, dachte ich. Werde also ein bisschen PR machen oder wie man das heute nennt (Social Media Marketing?). Es haben sich schon 130 Leute angemeldet (Dominik, das setzt die Latte hoch für das [...] » weiterlesen

    • 6. Januar 2009, 2 Kommentare

      Frau(en) in Tech, die ich bewundere

      Habe schon der Bald-Blogwerkerin Stephanie Booth versprochen, Sie zu bewundern, aber vielleicht fällt mir bis dahin noch eine weitere ein. Vorher ist ja noch StartupCamp, BlogCamp und so weiter, sicher alles mit geeky Frauen. » weiterlesen

    • Veröffentlicht am 16. Dezember 2008, 6 Kommentare

      Tagesanzeiger-Umfrage:
      «Mehr wie CHF 10.-»

      tagesanzeiger.ch fragt per Teaser in der rechten Spalte der Homepage (das Motiv kennt jeder Schweizer, weil in den Neunzigern damit alle Briefkästen zugepflastert wurden - inzwischen sind die meisten Hausverwaltungen zu schlichteren Lösunge übergegangen), ob wir User bereit wären, für eine werbefreie Website zu zahlen. Kann man ja mal machen. Fragen kostet nichts, sagt man [...] » weiterlesen

  • Über mich

    Peter Hogenkamp, Unternehmer aus Detmold (NRW), seit 1990 in der Schweiz, Gründer mehrerer Startups, zuletzt und aktuell Blogwerk.
  • Blogwerk Blogs

  • Abonnieren

    •  » Was ist das?
    • RSS Beiträge per RSS
    • RSS Kommentare per RSS
    •  » Artikel per E-Mail
    • Aktuell 0 Abonnenten

      • Über Blogwerk

      • Google Friend Connect